Der Freiberufler, die Umsatzsteuer und das Ausland

IT-Freiberufler sind häufig nicht nur für deutsche Unternehmen in Deutschland tätig, sondern oft auch für ausländische Unternehmen oder Projektvermittler im In- oder Ausland. Dieser Auslandsbezug hat regelmäßig auch steuerliche Auswirkungen, insbesondere im Bereich der Umsatzsteuer.

Das deutsche Steuerrecht gilt weltweit

Das deutsche Steuerrecht kennt das so genannte „Welteinkünfteprinzip“. Demnach sind sämtliche (weltweiten) Einkünfte eines deutschen Staatsbürgers mit Wohnsitz oder gewöhnlichem Aufenthalt im Inland einkommensteuerpflichtig. Zwar gibt es in diesem Zusammenhang manchmal Auslegungsprobleme mit den Begriffen „Wohnsitz“ und „gewöhnlicher Aufenthalt“, für die meisten Freiberufler, die im Inland ansässig sind, spielt dies aber keine Rolle.

Die Umsatzsteuer kann auch bei Auslandsbezug gelten

Grundsätzlich muss der IT-Freiberufler für seine Leistungen Umsatzsteuer berechnen. Fraglich ist aber, ob dies auch dann gilt, wenn der Freiberufler im Ausland selbst oder über eine Projektagentur, die ihren Sitz im Ausland hat, für einen Endkunden im Inland tätig ist.

Die Umsatzsteuer gilt grundsätzlich für Leistungen im Inland

Gemäß § 1 UStG (Umsatzsteuergesetz) unterliegen „Lieferungen und sonstige Leistungen, die ein Unternehmer im Inland gegen Entgelt im Rahmen seines Unternehmens ausführt“ der Umsatzsteuer. Dies ist der Grundsatz, von dem es mehrere Ausnahmen gibt.

So sieht § 3a Abs. 2 Satz 1 UStG vor: „Eine sonstige Leistung, die an einen Unternehmer für dessen Unternehmen ausgeführt wird, wird vorbehaltlich der Absätze 3 bis 7 und der §§ 3b, 3e und 3f an dem Ort ausgeführt, von dem aus der Empfänger sein Unternehmen betreibt.“

Zu diesen so genannten „sonstigen Leistungen“ gehört nach § 3a Abs. 4 Nr. 3 UStG auch die „Tätigkeit als […] Ingenieur […] sowie ähnliche Leistungen anderer Unternehmer, insbesondere die rechtliche, wirtschaftliche und technische Beratung“.

Die Tätigkeit im Ausland

Hat der Auftraggeber des Freiberuflers seinen Sitz im Ausland und ist der Freiberufler auch dort tätig, besteht keine Umsatzsteuerpflicht.

Die Tätigkeit für einen ausländischen Projektvermittler im Inland

Ist der Freiberufler für einen ausländischen Projektvermittler bei einem (End)Kunden im Inland tätig, besteht keine Umsatzsteuerpflicht, wenn der Freiberufler seine Leistung nicht für das Unternehmen im Inland, sondern für die Projektagentur mit Sitz im Ausland erbringt. Ob dies so gesehen werden kann, hängt letztlich von den vertraglichen Vereinbarungen ab.

Die Tätigkeit für eine ausländische „Briefkastenfirma“ im Inland

Hat das Finanzamt (begründete) Zweifel daran, dass der ausländische Auftraggeber des Freiberuflers ein real existierendes Unternehmen mit wirtschaftlichem Geschäftsbetrieb ist, besteht die Gefahr, dass das Finanzamt die ansonsten bestehende Umsatzsteuerfreiheit nicht anerkennt und vom Freiberufler die Nachzahlung der Umsatzsteuer verlangt! In diesem Fall hat der Freiberufler nachzuweisen, dass sein Auftraggeber keine „Briefkastenfirma“, sondern ein „normales“ Unternehmen ist. Da hier Auslandsbezug vorliegt, ist die Mitwirkungspflicht des Freiberuflers noch höher als bei inländischen steuerlichen Sachverhalten.

Die Konsequenzen der Rechtslage

Eine umsatzsteuerfreie Rechnung bedingt folgende Voraussetzungen:

  • Die Leistung muss für ein Unternehmen im Ausland erbracht werden
  • Es muss sich um ein „echtes“ Unternehmen handeln (keine „Briefkastenfirma“).
  • Die erbrachte Leistung muss ingenieurähnlich sein bzw. im Bereich der Beratung liegen.

Da im Zweifel der Freiberufler alle drei Voraussetzungen beweisen muss, ist dringend zu empfehlen, sämtliche Unterlagen, die mit dem jeweiligen Auftrag zusammenhängen, wie beispielsweise Verträge, Referenzen, Arbeitsunterlagen, Geschäftsunterlagen des ausländischen Projektvermittlers, Handelsregisterauszug, Wirtschaftsauskünfte, Inserate der Projektagentur, Adressen von anderen Freiberuflern, die für diese Projektagentur tätig sind oder waren etc. zu sammeln und zu archivieren.Der sicherste Weg für den Freiberufler ist die Ausstellung von Rechnungen mit Umsatzsteuer. Sollte dies nicht möglich sein bzw. vom ausländischen Auftraggeber nicht gewünscht werden, sollte in diesem Fall über eine verbindliche Auskunft des Finanzamts nachgedacht werden, um das Risiko späterer steuerlicher Auseinandersetzungen bzw. möglicher horrender Steuernachzahlungen zu vermeiden.

Über den Autor

Dr. Benno Grunewald ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Steuerrecht. Er ist darüber hinaus ausgebildeter Mediator (DAA) und Justiziar des BVSI (Berufsverband Selbständige in der Informatik e.V.).

Dr. Benno Grunewald

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3 Kommentare

  1. Danke für den Artikel. Am besten (da am einprägensten) sind die 3 Punkte der Konsequenzen der Rechtslage, die bei mir erfüllt scheinen.
    Ich bin auch freiberuflich für ausländische Firmen tätig, allerdings hauptsächlich als Vertriebsingenieur für und in Deutschland. Monatlich stelle ich eine Rechnung OHNE MwSt. Ist das so korrekt?

  2. Hallo,
    ich habe eine Frage bezueglich Vertrag im Ausland und Umsatzsteuer:

    Ich arbeite recht viel in Portugal und lebe in der Zeit auch dort.
    Da ich das Internet beruflich stark nutze, brauche ich eine eigene Internetleitung.

    Wie laeuft das, wenn ich einen Vertrag im Ausland abschließe mit dem deutschen Finanzamt? Und in wieweit ist hier die EU schon vereint? Greift hier die USt-IdNr?

    Vielen Dank,
    Markus

  3. Der ausländische Projektvermittler stellt die Rechnungen dann auch mit deutscher Unsatzsteuer? Wenn er nur einen Teil der Rechnung davon an den Freelancer mit Umsatzsteuer auszahlt was ist dann mit dem bei ihm verbliebenen Teil?

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