Tipps für das Telefoninterview

Durch Beschäftigungen sowohl im nationalen als auch internationalen Raum ist vor allem für Freiberufler das Telefoninterview immer wieder an der Tagesordnung: Im Gegensatz zu einem persönlichen Gespräch, das mitunter einen hohen zeitlichen und organisatorischen Aufwand mit sich bringen kann, ermöglicht ein Telefoninterview beiden Parteien, sich in kürzester Zeit kennenzulernen, um so die Entscheidung für eine eventuelle Zusammenarbeit zu treffen. Lassen Sie sich jedoch von der Andersartigkeit eines solchen Vorstellungsgesprächs nicht täuschen, denn in Punkto Vorbereitung und Durchführung gibt es auch hier klare Regeln, deren Beachtung Ihnen bei der Abgrenzung zu Mitbewerbern dienlich sein können.

Das Telefoninterview birgt Gefahren für die erfolgreiche Kommunikation

Die Problematik, die bei einem solchen über das Telefon geführten Kennenlernen besteht, ist in erster Linie das Fehlen von nonverbalen Zeichen wie Mimik oder Gestik. Dies bedeutet zum einen für den Interviewer selbst eine große Herausforderung, da ihm die Einschätzung fehlt, die er beispielsweise aus Ihrem Mienenspiel ziehen kann, zum anderen sollten jedoch auch Sie nicht dem Trugschluss unterliegen, dass nur, weil man Sie nicht sieht, lediglich Ihre gesprochenen Worte in den Gesamtkontext der Beurteilung fallen.

Das Gesprächsziel beim Telefoninterview

Abgesehen von den bereits genannten zeitlichen Kriterien verfolgt ein Kunde mit dem Anberaumen eines Telefoninterviews noch andere Ziele. Im Groben lassen sich diese in drei Bereiche unterteilen: Ein Vertiefen des aus den Unterlagen gewonnen Eindrucks des Bewerbers, eine Beurteilung über soziale Kompetenzen und sprachliche Ausdrucksfähigkeit und die Chance zur Klärung offener Fragen. Des Weiteren können folgende Aspekte beim Telefoninterview eruiert werden:

  • Stellenbezogene Motivation
  • Argumentations- und Überzeugungsfähigkeit
  • Erforderliches Skill-Level
  • Aufmerksamkeit und Flexibilität
  • Wissen über situativ angemessenes Verhalten
  • Logisches Denken
  • Fähigkeiten in Punkto Selbstdarstellung
  • Genereller Gesamteindruck

Um diese Gesichtspunkte in Erfahrung zu bringen, wird in erster Linie mit verschiedenen Fragen zu einzelnen Themengebieten gearbeitet. Worauf Sie hierbei achten sollten und was Sie besser unterlassen, möchte ich Ihnen im Folgenden vorstellen.

1. Der Lebenslauf

Do:
Fragen zu Ihrer Person, Ihrem Werdegang, zu Inhalten Ihrer Arbeit und eventuellen Lücken Ihres Lebenslaufes sollten Sie zu jedem Zeitpunkt des Telefonats beantworten können. Hierfür erweist es sich als sinnvoll, wenn Sie die relevanten Eckdaten Ihres CV parat haben, zum Beispiel indem Sie Ihren Lebenslauf vor sich legen und sich im Vorab Notizen zu den einzelnen Stationen machen.

Don’t:

Falls Sie mit Notizen arbeiten, lesen Sie diese bitte nicht nur ab. Ihrem Gegenüber geht es sicher weniger um einen Monolog, sondern vielmehr darum, dass Sie in der Lage sind, stichhaltige Begründungen für einzelne Karriereentscheidungen zu liefern.

2. Das Unternehmen und die Position

Do:
Klassische Fragestellungen eines Vorstellungsgesprächs wie „Was reizt Sie an der Projektbeschreibung“ oder „Wie stellen Sie sich Ihre Aufgabe zukünftig vor“ werden Sie höchstwahrscheinlich auch in einem Telefoninterview – und sollten darauf vorbereitet sein. Recherche ist hier das A und O: Informieren Sie sich im ersten Schritt auf allen Ihnen zur Verfügung stehenden Quellen über das Unternehmen, um auf solche Fragen sinnvolle Antworten geben zu können. Hierzu zählen Suchmaschinen, Kontaktpersonen aus der Branche, Foren oder Arbeitgeber-Bewertungsplattformen. Betrachten Sie hierbei nicht nur die Eckdaten des Unternehmens, sondern holen Sie sich auch Informationen ein, die mit dem Projekt korrespondieren – also zum Beispiel bezüglich aktueller Produktentwicklungen oder Technologien. Das Gleiche gilt für die ausgeschriebene Position: Je detaillierter Sie über die Anforderungen der zu besetzenden Stelle Bescheid wissen, desto besser sind die Argumente. Seien Sie sich im Klaren darüber, was Sie hinsichtlich Ihres Tätigkeitsbereichs erwartet und welche Ansprüche an Sie gestellt werden. Falls Ihnen an mancher Stelle fundiertes Know-how fehlt, so sollten Sie sich zumindest im Vorab einen ersten Einblick in die Technologien verschaffen. Eine weitere Hilfe kann es darstellen, wenn Sie sich zuvor über Ihren Gesprächspartner beim Telefoninterview und seine Funktion informieren (z.B. über Ihren Ansprechpartner beim Projektvermittler oder via Xing), um Ihrem Gegenüber ein Gesicht zu geben.

Don’t:
Ein Mangel an Interesse wäre das Schlimmste, was Sie Ihrem Gegenüber vermitteln könnten – und dieser Eindruck kann oft entstehen, wenn sich Ihre Antworten in einem Spektrum von „Äh“ über „Keine Ahnung“ bis hin zu „Noch nie gehört“ bewegt. Nehmen Sie die Vorbereitung Telefoninterview auf das also ernst!

3. Das persönliche Profil

Do:
Zu Ihrem persönlichen Profil gehört nicht nur Ihr Wunsch nach neuen Tätigkeitsfeldern und beruflichem Aufstieg, sondern auch Ihre Vorzüge und Schwächen. Hier gilt stets: Den eigenen Marktwert kennen und seine Stärken richtig verkaufen können! Versäumen Sie also nicht, Ihre Kompetenz an geeigneter Stelle in den Vordergrund zu rücken und es zu äußern, wenn Sie einen geforderten Skill beherrschen.

Don’t:
Auch wenn es vor allem in Punkto mit eigenem Wissen glänzen an Ihnen liegt, die treibende Kraft im Gespräch zu sein, so beachten Sie bitte, dass dies nicht für den Aspekt der Gehaltsfrage gilt – hier sollten Sie den ersten Schritt Ihrem Gegenüber überlassen. Denn wer gleich zu Anfang des Gesprächs ausschließlich an den finanziellen Aspekten interessiert ist, vermittelt schnell das Bild eines geldgeilen Mitarbeiters, welcher der eigentlichen Aufgabe wenig Beachtung schenken wird.

4. Die Umgebung

Do:
So vorteilhaft es auf den ersten Blick wirken kann, nicht im eng sitzenden Anzug in irgendeinem fremden Besprechungsraum sitzen zu müssen, in welchem Sie sich im schlechtesten Falle mit tropischen Temperaturen, langen Wartezeiten oder wässrigem Kaffee konfrontiert sehen, so kann es sich doch durchaus als tückisch herausstellen, ein Interview in den eigenen vier Wänden zu führen. Gerade in diesem vertrauten Umfeld gibt es andere Faktoren, auf welche Sie ein besonderes Augenmerk legen sollten: Entspannte Nerven und ein erfolgreiches Gespräch hängen zu großen Teilen auch von dem Umfeld ab, welches Sie sich schaffen. Bellende Hunde, Familiendramen, Kindergeschrei oder Straßenlärm werden bei einem Telefoninterview nicht gerade dienlich

Don’t:
Inmitten des Feierabendverkehrs auf der überfüllten A8, gemütlich eine Brezel verspeisend? Auf dem Weg zum Fußballtraining mit dem eigenen, aufgekratzten Kind inklusive Grundschulkumpel auf dem Rücksitz oder am Besten noch am Arbeitsplatz des derzeitigen Auftraggebers? Ein permanent klingelndes Handy, an dessen anderem Ende der beste Freund im Einkaufmarkt steht und wissen möchte, welchen Whiskey er denn nun für den allwöchentlichen Pokerabend kaufen soll? Eine Fernsehsendung im Hintergrund, bei welcher sich nun schon das x-te Pärchen in der x-ten Talkshow an die Gurgel geht, während der Moderator verzweifelt versucht, sich einen Weg durch das Geschrei zu bahnen? All dies scheinen wirklich ungeeignete Situation für ein gelungenes Gespräch zu sein – nehmen Sie dies bitte ernst.

5. Die Kommunikation

Do:
Gerade durch den ausschließlichen Fokus auf das gesprochene Wort gibt es bei diesem Aspekt die meisten Dinge, die es zu berücksichtigen gilt. Angefangen mit dem bewussten Kommunizieren: Einen Mangel an Ausdrucksfähigkeit fällt beim Telefoninterview besonders in Gewicht. Achten Sie daher stets darauf, dass Sie Ihre Antworten kurz und prägnant formulieren. Zudem sollten Sie Sprechgeschwindigkeit, Lautstärke und Deutlichkeit mitberücksichtigen, ebenso wie ein ausgeglichenes Redeverhältnis. Sprechen Sie Ihren Gegenüber bitte mit Namen an und achten Sie darauf – falls Sie sich zuvor Vermerke notierten –, dass Ihre Antworten nicht auswendig gelernt oder abgelesen wirken. Wichtig wäre ebenso, dass Sie bei der Sache sind. Schweifen Sie nicht ab und planen in Gedanken schon den bereits erwähnten Pokerabend, sondern folgen Sie Ihrem Gesprächspartner und machen sich eventuell Notizen, um Ihre Aufmerksamkeit bei dem Interview zu behalten bzw. um sich Anmerkungen verzeichnen zu können, auf welche Sie zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal zurückkommen möchten. Interesse bekunden Sie im Übrigen auch durch den Einsatz von Fragen. Vor allem die Aufgabenbeschreibung oder das spätere Arbeitsumfeld kann Anlass für Nachfragen ergeben – offensichtliche Fragestellungen, die sich durch das bloße Lesen der Projektbeschreibung ergeben, sollten Sie jedoch bei Seite lassen.

Don’t:
So sehr man in Punkto Kommunikation den Kunden auf seine Seite ziehen kann, so viele Fehler kann man dabei auch begehen – allen voran steht der Monolog: Auch wenn Sie Ihren Gesprächspartner nicht in die Augen sehen, heißt das nicht, dass Sie allein in der Leitung hängen. Räumen Sie ihm also ebenso viel Gesprächszeit ein, wie Sie selbst für sich in Anspruch nehmen und verfallen nach der ersten Fragestellung nicht in ein stundenlanges Selbstgespräch, das darin endet, dass man Sie irgendwann schroff unterbrechen wird. Ebenso wenig – und das gebietet schon die Höflichkeit – sollten Sie ihrem Gegenüber ins Wort fallen oder zu leeren Floskeln greifen, um Gesprächslücken zu füllen oder Ihre Nervosität zu verbergen. Auch im Hinblick auf Ihren Ausdruck gibt es Dinge, die Sie besser an anderer Stelle anbringen. Dazu gehört zum einen ein starker Dialekt, genauso wie eine häufige, oft aufgesetzt wirkende Verwendung von Fremdworten und Anglizismen. Es wird weder zielführend sein, wenn Ihr potentieller Auftraggeber Mühe dabei hat, Sie zu verstehen noch den Eindruck gewinnt, Sie werfen mit wohlklingenden Worten um sich, um einen Mangel an dahinter stehenden Kenntnissen zu verstecken. Doch auch hier gilt es, nicht den umgekehrten, sondern einen Mittelweg zu finden, denn ebenso wie altkluges Gerede, stößt auch eine umgangssprachliche und vulgäre Redensart sauer auf. Auch wenn dies zur Taktik Ihres Gesprächspartners zählt, lassen Sie sich nicht provozieren, sondern bleiben Sie zu jedem Zeitpunkt ruhig und freundlich. Wenn Sie diese Kriterien im Auge behalten, sind Sie bestens für einen erfolgreichen Gesprächsverlauf beim Telefoninterview gerüstet.

Über den Autor

Als Social Media Managerin und Pressereferentin betreut Katharina Salanga bei SOLCOM die Bereiche Public Relations und Social Media. Ihr Studium absolvierte sie an der Universität Tübingen in den Fächern Allgemeine Rhetorik, Neuere Deutsche Literatur, Linguistik des Deutschen und Mediävistik.

Katharina Salanga

Kontaktdaten

SOLCOM Unternehmensberatung GmbH
Schuckertstraße 1
Reutlingen
Telefon: 07121 / 12 77 – 0
Fax: 07121 / 12 77 – 490
E-Mail: k.salanga@solcom.de
Internet: http://www.solcom.de

1 Kommentar

  1. Hallo Frau Salanga,

    vielen Dank für diesen sehr interessanten Artikel mit vielen praktischen und
    wertvollen Tipps.

    VG und weiterhin viel Erfolg bei Solcom,
    Michael Wagner

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