Strukturiertes Selbstmarketing (Teil 1)

Das Jahr geht zu Ende, und viele Selbstständige überlegen sich bereits, mit welchen Weihnachtsgrüßen sie an Ihre Kunden herantreten – sei es, um sich für die erfolgreiche Zusammenarbeit zu bedanken, aber auch um sich für Folgeprojekte zu empfehlen. Zweifellos wird eifrig kommuniziert – häufig nach dem Motto „viel hilft viel“. Das ist löblich, verfehlt aber regelmäßig das eigentliche Ziel – denn qualitativ ist deutlich Luft nach oben vorhanden. Mit etwas Hilfe und System lässt sich die Selbstmarketing-Professionalisierung aber schnell vorantreiben.

Die eigene Person – eine Marke!

Es ist häufig zu beobachten, dass Selbstständige oder kleinere Unternehmen als Vorteil anführen, informeller, schneller und persönlicher zu arbeiten. In Bezug auf Problemlösungen bei der Projektarbeit trifft das auch mehr oder weniger zu. In Sachen Kommunikation und Akquise allerdings auf keinen Fall. Denn schlicht jeder Selbstständige ist eine eigene Marke, und nur die erfolgreichsten bleiben uns in Erinnerung. Dabei zeigt sich, dass nur wer die Regeln des Geschäftsleben kennt und über eine angemessene und authentische Form zum professionellen Selbstmarketing verfügt, auch als erfolgreich wahrgenommen wird.

Selbstmarketing beginnt bei den kleinen Dingen. Egal, wie überragend die eigenen Fähigkeiten sind, ein gewisser Rahmen bei Geschäftskommunikation sollte gewahrt bleiben: Mit gepflegter, formaler Kleidung, einer flüssigen (eingeübten oder vorbereiteten) mündlichen Präsentation und einer zuvorkommenden Art bewegt man sich auf den Kunden zu und signalisiert ihm Wertschätzung und Professionalität. Der erste Eindruck zählt, denn es entscheidet sich in den ersten sieben Sekunden, ob man einem Menschen positiv oder negativ auffällt.

Zeigen Sie Geduld. Lassen Sie den Kunden unter allen Umständen aussprechen! Stellen Sie sich auf Ihren Gegenüber ein. Schildern Sie Fachliches in Gesprächen mit fachfremden Entscheidern in einfachen Analogien und schon ist viel gewonnen. Auch um in Erinnerung zu bleiben reichen einfache Mittel: So schloss Freiherr von Knigge (übrigens beglaubigtermaßen ein begnadeter Networker) jedes Schreiben mit „Alles wird gut.“ ab – einem waschechten Slogan und ein Coup in Sachen Selbstmarketing.

Auch ein eingängiger Markenname hilft der eigenen Unternehmung, wobei hier oftmals der eigene Name nicht einmal die schlechteste Wahl ist – denn in spezialisierten Branchen finden sich allzu sinnfreie und verwechselbare Kunstworte – und Sie wollen doch unverwechselbar sein, oder?

Die Nische finden und für das Selbstmarketing nutzen

Erfolgreiche Marken sind spezialisiert, weniger spezialisierte Marken haben ausgesprochen häufig mit Problemen zu kämpfen. „Groß und integriert“ klingt zunächst gut, birgt aber die Gefahr von Markenverwässerung und Misserfolg durch fehlende Effektivität – bei großen Unternehmen ist hier in den letzten Jahren viel Lehrgeld bezahlt worden.

Schreiben Sie sich ein eigenes Profil auf den Leib – und fassen Sie es dann in maximal drei überzeugenden und verständlichen Sätzen zusammen – die Sie im Schlaf aufsagen können. Mit genau diesem Text sollte die eigene Homepage oder das eigene Networking-Profil bei XING und Konsorten beginnen. Der Leser hat, besonders im Netz, generell immer weniger Zeit. Kommen Sie ihm entgegen, indem Sie auf den Punkt kommen! Durchkämmen Sie Ihre Referenzen und das eigene Skillset – die Liste der eigenen Fähigkeiten: Streichen Sie, was unwesentlich oder technisch überholt ist. Heben Sie Schwerpunkte, Referenzen oder Fortbildungen zu aktuell gesuchten Fähigkeiten hervor.

Exotische Skills sollten nur genannt werden, wenn sie der Markt verlangt: Legen Sie Ihr Ohr an die Schienen der Trendforschung. Als Beispiel: FORTRAN beherrschen Sie sicherlich noch so gut wie Fahrrad fahren. Augmented Reality und Bilderkennungstechnologien allerdings machen die Schlagzeilen auf wired.com.

Professionalisieren der Selbstdarstellung

Nutzen Sie die Möglichkeiten des Web 2.0, ohne die Schwächen mit in Kauf nehmen zu müssen. Auch hier ist Reduktion der Schlüssel zum Erfolg. Ein gut gemachter XING-Eint rag ist in Sachen Selbstmarketing mehr wert als eine Omnipräsenz im Netz. Hier ist generell anzuraten, das eigene Profil häufiger upzudaten, als maximale Streuung erreichen zu wollen. Das fängt beim eigenen Foto an (das sollte unbedingt professionell gemacht sein) und hört bei fortlaufenden Update ihrer Projekte auf – gerade bei Selbstständigen.

Es gibt eine gewisse Tendenz, sich auch auf sozialen Netzwerke zu präsentieren. Das ist erst einmal kritisch zu durchleuchten: Ein Drittel aller deutschen Recruiter kämmt im Bewerbungsprozess auch die Social-Network-Einträge der Kandidaten durch, Tendenz steigend. Was Nutzer hier hinterlassen, ist eine Spur, die ein verzerrtes soziales Profil ergeben kann, wenn eine derartige Omnipräsenz nicht absolut diszipliniert betrieben wird.

studi.vz: spätestens mit Abschluss des Studiums zu beenden, und auch dann ist bei der Wahl der Interessengruppen Vorsicht geboten. flickr.com und facebook.com machen private Bildgalerien öffentlich – auch diejenigen, die man dem neuen Chef oder Kunden nicht zeigen möchte. Screenshots vom letzten Projekt sind hier hingegen ein Plus. myspace.de ist in erster Linie eine Möglichkeit für absolute Laien, eine eigene Webseite zu erstellen. IT-Fachleute machen damit keinen Punkt.

Wenn man trotz solcher Bedenken mehrere Profile pflegen will, sollte man unbedingt auf Konsistenz, also einen Gleichklang in den Inhalten achten. Nichts ist destruktiver für die eigene Glaubhaftigkeit als verschiedene Profile, die deutliche Widersprüche zeigen – vielleicht sogar auf fachlicher Ebene. Die Zeit zur Pflege sollten User auf jeden Fall als festen Arbeitsfaktor einkalkulieren. Die notwendigen regelmäßigen Updates sollten immer wie ein völlig reguläres Projekt betrieben werden: Wenn auch nur indirekt, so geht es beim Networking doch um Geld, nämlich um Aufträge.

Eine gesonderte Funktion als positiver Multiplikator besitzen fachliche Veröffentlichungen oder eine Dozentenstelle. Derartiges Engagement ist ein nicht zu unterschätzender Pluspunkt, wirkt es doch als hervorragende externe Empfehlung und demonstriert Innovationsbereitschaft, ein tieferes Verständnis der Materie und der eigenen Soft Skills. Der Schlüsselpunkt beim Networking allerdings ist, worauf all diese Einträge verweisen: Die eigene Webseite.

Diesen Aspekt freue ich mich Ihnen in der kommenden Ausgabe des SOLCOM Online Magazins im Detail erläutern zu dürfen.

Über den Autor

Robert Jähnigen ist Diplom-Kommunikationsdesigner und Creative Lead bei SOLCOM. Sein Arbeitsschwerpunkt liegt auf Corporate Design und Corporate Communications. Der Art Director hat seinen Abschluss an der Merz Akademie in Stuttgart gemacht und Kunden im Lifestyle und Industriebereich betreut, bevor er zu SOLCOM ins Marketing wechselte.

Robert Jähnigen

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