Erfolg als Freiberufler – wie wichtig ist die Persönlichkeit?

Eine gute Geschäftsidee, umfangreiches Wissen und Erfahrung sind nur das eine. Doch erst die Persönlichkeit des Gründers und seine individuellen Eigenschaften machen ein Unternehmen aus. Aber was sind das für Eigenschaften, die man als Freiberufler oder Selbständiger mitbringen sollte? Und kann man die lernen?

Jeder gute Businessplan enthält heute ein Kapitel, in dem es um die Person des Gründers geht. Darin kommen nicht nur die fachliche und kaufmännische Eignung des Gründers, sondern auch seine Einstellungen, seine Neigungen und seine sozialen Kompetenzen zur Sprache. Aber was sind das für Kompetenzen, die eine Gründer-Persönlichkeit ausmachen? Welche Eigenschaften sollte man mitbringen, wenn man sich selbständig macht? Und was ist, wenn ich diese Eigenschaften nicht habe – kann ich sie lernen oder muss ich zum Gründer geboren sein? Wir wollen versuchen, mit diesem Beitrag Licht ins Dunkel zu bringen.

Welche Eigenschaften machen eine Gründer-Persönlichkeit aus?

Dass die Eigenschaften des Gründers einen wichtigen Einfluss auf den ökonomischen Erfolg haben, bezweifelt niemand. Aber welche Eigenschaften das sind, darüber herrscht unter Wissenschaftlern und Gründungsexperten Uneinigkeit. In Ratgebern zum Thema „Selbständigkeit“ werden Sie endlose Reihen von Attributen finden, die einen guten Gründer beschreiben. Wer sich selbständig machen will, sollte durchsetzungsfähig, entscheidungsfreudig, leistungsorientiert, konfliktfähig und kommunikationsstark sein, außerdem diszipliniert, leidenschaftlich und stressresistent. Wahlweise kommen noch begeisterungsfähig, empathisch und neugierig und viele, viele andere positiv besetzte Eigenschaften hinzu.

Es liegt auf der Hand, dass Menschen, die alle diese Kompetenzen in sich vereinen, Erfolg haben müssen. Das gilt aber nicht nur für Selbständige, sondern auch für Angestellte, und ist folglich wenig aussagekräftig. Mal ganz abgesehen davon, dass ich noch keinen Menschen getroffen hätte, auf den diese Beschreibungen auch nur annähernd zuträfen.

Dennoch kann ich aus meiner langjährigen Erfahrung in der Beratung von Gründern und Unternehmern sagen, dass es einige Eigenschaften gibt, die ohne Frage hilfreich sind, wenn man sich selbständig machen will. Die Wichtigsten sind:

  • Mut – denn eine freiberufliche Tätigkeit ist mit Unsicherheit verbunden: Kommen auch im nächsten Monat neue Aufträge rein? Werde ich mich gegen die Konkurrenz behaupten können? Wird mein Einkommen reichen? Mit dieser Unsicherheit sollte man umgehen können, um in der Selbständigkeit ein erfülltes Leben zu finden.
  • Kommunikationsfähigkeit – denn niemand kann nur in seinem stillen Kämmerlein vor sich hinbrüten. Jeder Freiberufler muss nach außen wirken, er muss sich verkaufen können, mit seinen Kunden verhandeln und sich mit Kollegen vernetzen, wenn er Erfolg haben möchte. Selbst der Autor, der seine Arbeit alleine am Schreibtisch erledigt, wird ohne Kommunikation (etwa mit Lektoren, Verlagen, Lesern und zu Recherchezwecken) nicht weit kommen.
  • Organisationsfähigkeit – denn es ist niemand da, der Anweisungen gibt. Wer seine Arbeit nicht selbst organisieren kann, Fristen verpasst und Unwichtiges von Wichtigem nicht unterscheiden kann, wird einen Auftrag nach dem anderen versemmeln und sich nicht lange am Markt behaupten können.

Lassen Sie sich nicht verunsichern – Sie müssen nicht der Mutigste von allen sein und auch kein ausgewiesenes Kommunikations- oder Organisationstalent. Aber wenn Sie auf einem oder mehreren dieser Gebiete ein Totalausfall sein sollten (was ganz sicher nicht der Fall ist!), dann wird es schwierig.

Alle etwaigen Schwächen von Gründern werden ausgeglichen, solange sie eines mitbringen: Motivation! Denn dann bringen sie die Kraft und das Engagement auf, an sich zu arbeiten und nahezu jede Hürde zu überwinden – womit wir zu unserer zweiten Frage kommen:

Wird man als Gründer geboren oder kann jeder das Gründersein lernen?

Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler seit Jahrzehnten, ohne dass sie eine eindeutige Antwort gefunden hätten. Die einen sind der Überzeugung, dass einige Menschen einfach zum Unternehmer geboren seien. Diese Unternehmertypen seien „von Haus aus“ sehr selbstbewusst, risikobereit und zielstrebig, und die Wahrscheinlichkeit sei deshalb hoch, dass sie sich irgendwann in ihrem Leben selbständig machen. Andere Forscher halten die Existenz von Unternehmertypen für Unsinn und gehen davon aus, dass vielmehr die Rahmenbedingungen (Rollenvorbilder, Gründungsidee, Chancen) ausschlaggebend dafür seien, ob jemand erfolgreich gründe oder nicht.

Fest steht: Wir alle haben unterschiedliche Fähigkeiten, Neigungen und Kompetenzen. Ob sie angeboren oder erworben sind, lässt sich nach dem heutigen Stand der Forschung nicht beantworten. Aber die Praxis zeigt, dass wir unser ganzes Leben lang Neues lernen und uns entwickeln können. Zwar wird aus einem extrem schüchternen Menschen vermutlich nie ein großmäuliger Salonlöwe, der ganze Partygesellschaften unterhält. Aber er kann lernen, auf andere zuzugehen und lockerer mit ihnen ins Gespräch zu kommen.

So gilt für alle wichtigen Kernkompetenzen, die ein Freiberufler aufweisen sollte, dass man sie ausbauen und stärken kann: Wer den Mut zur Selbständigkeit nicht hat, der kann ihn sich zusprechen lassen. Wer nicht gerne auf andere Menschen zugeht, kann seine Scheu überwinden. Und wer sich ständig verzettelt, kann sogar auf digitale Tools zurückgreifen, die es ihm erleichtern, seine Arbeit zu organisieren.

Diese Erkenntnis sollte Sie allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich niemand grundlegend neu erfinden kann. Es ist immer besser, die eigenen Stärken zu stärken, als sich zu sehr auf seine Schwächen zu konzentrieren. Denn das bindet zu viele Energien, die Sie besser für anderes einsetzen sollten.

Finden Sie den Deckel, der zu Ihnen passt

Wenn Sie eher der stille Typ sind, der lieber aus dem Hintergrund beobachtet als im Mittelpunkt zu stehen, dann suchen Sie sich als Freiberufler eine Nische, in der Sie das können. Wenn Sie zum Beispiel als Coach arbeiten, sollten Sie sich nicht unbedingt auf Seminare spezialisieren, sondern ihre Fähigkeiten eher in die Einzelberatung einbringen.

Und suchen Sie sich Mitstreiter, die Sie mit Ihren Fähigkeiten perfekt ergänzen. Kooperieren Sie mit anderen Freiberuflern, die nicht nur von der fachlichen Seite, sondern auch im Hinblick auf ihre sozialen Kompetenzen eine sinnvolle Ergänzung zu Ihnen darstellen. Als sehr offensiver, direkter Mensch könnten Sie zum Beispiel mit einem eher zurückhaltenden Partner, der gut zuhören und vermitteln kann, ein perfektes Gespann bilden.

Lassen Sie sich aber auf keinen Fall einreden, Sie seien kein Unternehmertyp. Denn den Unternehmer schlechthin gibt es nicht. Es gibt nur Geschäftsmodelle, die gut oder weniger gut zu einer Person passen!

Fazit: Jeder kann zum Gründer werden

Selbständig sein ist ein Lernprozess, in dessen Verlauf man in seine Aufgaben hineinwächst, viel Neues lernt und seine Persönlichkeit entwickelt. Es gibt Kerneigenschaften, die dabei helfen. Aber wer über diese Eigenschaften nicht oder nur begrenzt verfügt, kann sie entwickeln oder kompensieren. Viele Freiberufler bilden Teams und bieten ihre Leistungen gemeinsam an. Dadurch können sie ihre Schwächen gegenseitig ausgleichen. Außerdem ist es ratsam, sich eine Nische suchen, die man mit seinen individuellen Fähigkeiten und Eigenschaften perfekt ausfüllt.

Wir sind überzeugt: Den Unternehmertyp gibt es gar nicht. Jeder kann Unternehmer sein. Es kommt nur darauf an, sich seiner Schwächen bewusst zu werden und die passende Geschäftsidee zu finden, die die eigenen Stärken zum Glänzen bringt.

Über den Autor

Gründungsexperte Dr. Jan Evers ist Inhaber der Beratungsgesellschaft evers & jung in Hamburg. Er hat jahrelange Erfahrung im Entwickeln von Lösungen für Ministerien, Banken und Wirtschaftsförderer. Seine Expertise fließt in die Entwicklung des Gründungstools SmartBusinessPlan ein, womit das Gründen und die Selbstständigkeit erleichtert werden.



Dr. Jan Evers

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